Praxisbuch Pranayama




 

Yoga

 

Es gibt eine Wahrheit,
die Menschen haben nur unterschiedliche Namen dafür.
(Rig Veda)

Die Vielfalt der modernen Yogastile zeigt das enorme Potential auf, über das Yoga verfügt. Allerdings können die unterschiedlichen Anstäzte und Interpreationen der Lehren verwirrend sein.

Der indische Heilige Ramakrishna verglich die unterschiedlichen Yogawege mit den Wegen, die man zum Dach eines Hauses zurücklegen kann. Ich möchte dieses Bild ein wenig modernisiert darstellen:
Yoga ist wie ein Haus, in dem es viele Weg zum Dach (der Erkenntnis/Erleuchtung) gibt. Mit dem gleichen Ziel vor Augen nehmen manche Menschen nehmen die breite Treppe rechts, andere die engen Stufen links. Einige verwenden eine Leiter, andere – sehr wenige – finden den Lift und können direkt zum Dach fahren. So mancher wird am wilden Wein an der Außenmauer hochklettern wollen. Einige gehen alleine, andere in Gruppen. Es ist gleichgültig, welchen Weg (Lehrer/Schule/Philosophie) man folgt, wichtig ist nur, dass man nicht im Keller seines Lebens in Abhängigkeit und Unbewusstheit verbleibt und darüber jammert, dass man die Sonne nicht sehen kann.
Jeder Suchende wird den Weg zum Dach nehmen, der ihm angemessen erscheint und der zu ihm passt. Keiner dieser Wege ist falsch, der richtige Yogaweg muss nur die folgenden vier Elemente (wie sie die Bhagavad Gita so schön beschrieben hat) beinhalten:

  • Arbeit/Anstrengung: das Gegenteil von Faulheit (Karma Yoga)
  • Mitgefühl/Liebe/Demut/Hingabe: das Gegenteil von Egoismus (Bhakti Yoga)
  • Wissen/Erkenntnis: das Gegenteil von Unwissenheit und Unwahrheit (Jnana Yoga)
  • Disziplin/Selbstbeherrschung: das Gegenteil von Unbeherrschtheit (Dhyana Yoga oder Raja Yoga)
Auf Grund der Vielfalt der Yogastile können wir heute das unserem Charakter und Temperament und unserer Lebensart entsprechende Form von Yoga wählen.

In Asthanga Yoga wird davon ausgegangen, dass ein unbeherrschter und unruhiger Geist zu einem unglücklichen Leben Beiträgt, während ein stabiler, konzentriert und entspannter Geist uns hilft, ein harmonisches und glückliches Leben zu führen.

Das Sanskritwort Yoga kommt von der Wurzel yuj, welche „kontrollieren“, „ins Joch spannen“ oder „vereinigen“ bedeutet. Üblicherweise wird das Wort YOGA mit „Verbindung“ oder „Vereinigung“ übersetzt. Dem Wort YOGA werden fünf Charakteristika zugeschrieben, die seine Eigenschaften hervorragend beschreiben:

  1. upayam: ein Ziel zu erreichen
  2. dhyanam: Meditation
  3. sangati: sich mit sich selbst verbinden, das eigene Selbst verstehen
  4. yukti: intelligente Art, Dinge zu tun
  5. sannāhanam: Schutz

In der Yogapraxis haben wir das Ziel, mit Hilfe der Meditation uns selbst kennenzulernen, zu verstehen und dieser intelligente Lebensweg schützt uns gegen das Leiden im Leben. So könnte man ein wenig pointiert die verschiedenen Ebenen des Yoga zusammenfassen.

Der meinschliche Geist wird sowohl als Quelle wie auch als Lösung für unserer Probleme angesehen. Wenn der Geist angespannt, abgelenkt oder von schlechte Gewohnheiten geprägt ist, dann wird unsere Wahrnehmung von der Welt beeinträchtigt, oder ist sogar falsch und dies verursacht unsere Probleme.
Darum definiert Patanjali Yoga so:

YS I.2.
Yoga ist das Beherrschen der geistigen Aktivitäten.
(yogah chittavritti nirodaa)

Ist der Geist aber konzentriert, aufmerksam, diszipliniert und frei von schlechten Gewohnheiten, dann nehmen wir die Welt klarer und eindeutiger wahr und unsere Handlungen, die auf diesen Wahrnehmungen beruhen, werden uns weniger Probleme oder Leiden verursachen.

Patanjali nennt eine Reihe von Werkzeugen, die uns helfen, den Geist zu beruhigen und fokussierter und disziplinierter zu sein. So hilft uns Asthanga Yoga, den Geist zu unserem Diener zu machen, damit er nicht länger den unkontrollierbaren Herrn spielt.

 

 

 

 

 

© Jana A. Czipin

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update: 29.09.2012